Das Projekt

Syntaktischer Atlas

Im vorliegenden Projekt soll die sprachgeographische Gliederung der deutschen Schweiz im Bereich der Syntax beschrieben werden. Durch den mittlerweile abgeschlossenen Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) ist dies für die Bereiche der Phonologie, der Morphologie und der Lexik bereits geleistet worden. Die Initianten des SDS hatten die Notwendigkeit der Einbeziehung der Syntax durchaus gesehen, sie aber nur mit wenigen Fragen im Fragebuch berücksichtigt, was mit der Schwierigkeit zusammenhängt, Syntaktisches auf die gleiche Weise wie Lautung und Wortschatz systematisch erheben zu können. Im fertigen SDS sind so nur wenige syntaktische Karten enthalten. Mit der Fortführung des SDS im syntaktischen Bereich wird die schweizerdeutsche Dialektologie hier erneut Pionierarbeit leisten, zumal geeignete Erhebungs-, Auswertungs- und Darstellungsverfahren erst entwickelt werden müssen; dies geschieht in Auseinandersetzung mit Erfahrungen von Atlasprojekten in Süddeutschland, Österreich, Italien und den Niederlanden.

Der aktuelle Anlass, die Dialektsyntax zu erforschen, ergibt sich aber nicht nur aus der Notwendigkeit, die genannte Lücke in der Beschreibung der dialektalen Grammatik zu schliessen, sondern auch dadurch, dass sich die allgemeine Syntaxtheorie und die Syntaxtypologie, die in den letzten Jahrzehnten einen Schwerpunkt der sprachwissenschaftlichen Interessen bilden, vermehrt um die Einbeziehung dialektaler Daten bemühen. Dies ermöglicht eine wertvolle Erweiterung des Wissens über die Parameter, nach denen sprachliche Strukturen variieren können, was wiederum für die Beschäftigung mit den Prinzipien des Aufbaus sprachlicher Systeme von grosser Bedeutung ist. Es ist infolgedessen eine wichtige Aufgabe der Dialektologie, eine empirisch zuverlässige Beschreibung der vorkommenden dialektalen syntaktischen Strukturen zu erarbeiten, da die theoretisch und typologisch orientierte Linguistik diese Grundlagenforschung selbst nicht leisten kann.

Rund 3187 Informanten an 383 Ortspunkten in der ganzen Deutschschweiz bearbeiten insgesamt vier Serien schriftlicher Questionnaires. Wir arbeiten mit einer Kombination verschiedener Fragetypen, die es erlaubt, auch variative Muster systematisch erheben zu können. Dieses flächendeckende Datengerüst wird durch zusätzliche mündliche Befragungen ergänzt und auf seine Validität hin überprüft. Bei funktionalen und kontextsensitiven Differenzierungen stösst die Elizitation mündlich oder schriftlich allerdings an ihre Grenzen, weshalb wir in erster Linie anstreben, das prinzipielle Vorkommen bestimmter Konstruktionstypen sprachgeographisch nachzuweisen. Unsere Überblicksdarstellung kann somit die Basis bieten für weiterführende (detailliertere und funktionale) Untersuchungen.